Ceci n’est pas un Spochtwagen.

Der Citroën CX wurde als kräftiger, souveräner Gleiter konstruiert, der auch in seinen stärksten Versionen keinen wirklichen Spaß bei der Kurvenhatz bringt. Es dürfte, insbesondere jetzt im Oldtimerstatus, niemanden geben, der ihn sich aus sportlichen Gründen zulegt, auch wenn man mit ihm schnell und komfortabel besonders auf Langstrecken unterwegs sein kann.

Es war seinerzeit jedoch ein beliebtes Marketing-Verfahren, Alltags-Autos auf Ralleys zu schicken, um so die Potenz, Robustheit und Ausdauer des jeweiligen Modells zu demonstrieren. Und hier machte der Citroën CX eine richtig gute Figur. Das ist eine relativ unbekannte bzw. nicht so wahrgenommene Seite von ihm, wohl, weil es herstellerseitig nicht konsequent herausgestellt wurde, das wiederum möglicherweise, weil es dem Käuferkreis dann doch nicht so wichtig war.

Wie dem auch sei, insbesondere in den Jahren 1977 und 1978 hatte der CX große Auftritte bei der Ralley Senegal, von der auch das Video dieser Seite handelt. Stephan Engel hat eine Liste sportlicher Highlights zusammengestellt:

1976: Rallye Côte d’Ivoire – Côte d’Azur
Klasse der einachsig angetriebenen Fahrzeuge (Tourenklasse) – CX 2200 belegten die Plätze 4, 5 und 6. Im Gesamtklassement der Rallye belegten die CXe den 13., 16. und 17. Platz.
1976: Marokko-Rallye
4. Platz im Gesamtklassement (CX 2200)
1977: Rallye Akropolis
6. Platz im Gesamtklassement (CX 2400)
1977: Rallye London-Sidney
3., 4., 7. und 10. Platz im Gesamtklassement sowie Sieger der Konstrukteurs-Meisterschaft (CX 2400)
1977: Tour du Sénégal
Der CX (am Start waren CX 2200, CX 2400 sowie CX 2400 GTi) belegt die ersten fünf Plätze. Von 5 gestarteten CXen kommen alle fünf ans Ziel – von den insgesamt 30 anderen Startplätzen kamen nur zwei weitere Fahrzeuge überhaupt ins Ziel.
1978: Rallye Monte Carlo
1. Platz in der Klasse der Diesel-Fahrzeuge (CX 2200 D), der Beweis, dass auch Diesel sportlich sind und der CX den anderen Diesel-Fahrzeugen überlegen war…
1978: Tour du Sénégal
Der CX verteidigt den Titel und fährt zudem den 2., 3. und 6. Platz ein. Ebenso gewinnt Citroen die Konstrukteurs-Wertung (am Start nur CX 2400 GTi)
1979: Rallye Mistral
1. Platz der Gruppe 2 und 2. Platz der Gesamtwertung für einen CX 2400 GTi

Quellennachweis Artikelbild/-video: Citroën Communication Presse

Was ist aus den Helden von damals geworden?

Eine nette Geschichte kann dazu Uwe Wertheimer beitragen, der im Urlaub die berühmten Gärten von Claude Monet besucht hat. Hier ein Auszug seines Berichtes, veröffentlicht in unserer Clubzeitschrift DIRAVI 1-2014:

Wir mieteten uns eine kleine Scheune in der Nachbargemeinde. Das nette Vermieterpaar bekam sehr schnell mit, dass ich ein unverbesserlicher Citroënfan bin (wie sie das nach so kurzer Zeit festgestellt hatten, ist mir noch heute ein Rätsel). Sie meinten, dass sie im Bekanntenkreis auch so einen hätten, der „früher etwas mit Citroën zu tun hatte und gaaanz viel alte Citroëns habe“. Ich musste sogleich fragen, ob man da vielleicht ein kleines Zusammentreffen arrangieren könnte – und es klappte: nachdem wir am Sonntagvormittag den sehr sehenswerten Garten von Monet besucht hatten, fuhren wir am Nachmittag mit den Vermietern zu dem Bekannten. Sicherheitshalber wurde noch ein weiterer Freund der beiden hinzu geladen – der, da Deutscher, sicher bei Verständigungsproblemen helfen könne.

Monsieur Wambergue, ein ehemaliger Rallyefahrer für Citroën, hatte schon mal vier Autos zum Lüften rausgefahren. Eine von zwei jemals gebauten DS Lorraine, als gepanzertes Sondermodell für die Banco di Santander in Spanien, daneben eine kurze Rallye-DS, eine der wenigen mit Straßenzulassung und Carte Grise. Die Lorraine hat als optische Besonderheit eine dreiteilige Frontscheibe. Die Türen sind durch die Panzerung so schwer geworden, dass jede einzelne gleich mit vier (!) Scharnieren gehalten werden muss. Daneben ein perfektes DS Cabrio, das merkwürdigerweise irgendwie etwas unterging. Ich war wohl etwas mehr auf die CX konzentriert.

Das erste Highlight: ein Paris-Dakar CX von 1981 – der letzte existierende von fünfen! Er war „nicht ganz perfekt“: der Dachhimmel hing mir gleich, wie bei den meisten CX aus dieser Zeit, auf dem Kopf. Per Kurzschlusskabel wurde der Motor angelassen: etwas lauter, als der Serien-GTi ist er schon – soll aber dafür etwa 200PS haben. Leider hatte ich durch das Fotografieren verpasst, mich auf den Beifahrersitz zu werfen, als es eine kleine Runde über das Anwesen ging.

Apropos kleine Runde: Die Wambergues haben auch einen kleinen 3,5 km langen Offroadkurs auf dem Gelände. Der Kurs liegt direkt neben der Autobahn. Praktisch: der Lärm der Rallyfahrzeuge fällt so nicht sehr auf. Nicht, dass Dominique Wambergue, der mich über das Anwesen führte, sein Bruder Philipe und sein Neffe Bruno die Piste für sich alleine haben wollen. Nein, auch PSA, Porsche, Toyota und Mitsubishi mieten sich gerne mal für diskrete Tests dort ein. Überhaupt scheint Familie Wambergue sehr begeistert vom Motorsport zu sein: Dominiques und Philippes Cousine Annie hat in den 60ern auf NSU einige Erfolge erzielt!

In einer großen offenen Halle stand der 1983er Dakar-Prototyp „Neff“ mit dem Dominique Wambergue auch bei der Dakar unterwegs war. Er versuchte bei mir den gleichen Trick, wie ihn viele Alt-Käferfahrer heute bei ahnungslosen Menschen noch immer gerne probieren: „Motorhaube“ vorne auf und „Mist, jemand hat den Motor geklaut!“ ausrufen. Allerdings sah der „Neff“ schon sehr speziell aus, so dass ich mich über den Tank vorne nicht so sehr wunderte…

Etwas weiter hinten in der Halle fand sich noch ein früher CX von 1974 im typischen Braun. Der wird nun schon 40 Jahre alt – eigentlich unglaublich! Interessant ist auch der CX Turbo2 aus dem Besitz der Familie Michelin. Man wollte kein Statussymbol am Wagen, alle Insignien des Turbo wurden entfernt – incl. des „T“ an der Lufthutze und der typischen Turbofelgen. Der Wagen beherbergt darüber hinaus eine etwas rustikale Modifikation: Die Gattin des Besitzers konnte aufgrund eingeschränkter Mobilität nur sehr schwer in normale Autos einsteigen. Deshalb wurde unter den Beifahrersitz eine Stahlplatte montiert, um den Sitz zum leichteren Einsteigen bis ganz an die Rückbank fahren zu können.

Mein großer Dank gilt Dominique Wambergue, der extra für mich seinen Sonntagnachmittag geopfert hat und mir sehr ausführlich seine Schätze präsentiert hat. Für mich war das wie Weihnachten und Ostern an einem Tag!

Quellennachweis Artikelbilder: Uwe Wertheimer